Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeit
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Arbeitslosigkeit ist ein Phänomen und kein Problem. Vor ein paar tausend Jahren haben sich Menschen andere Menschen als Sklaven gehalten. Nun reden wir uns gern ein, dass die Sklaverei abgeschafft wurde, weil wir so "human" geworden sind. Aber die Wahrheit ist: Durch die industrielle Revolution ist die Sklaverei überflüssig geworden. Ab einem bestimmten Zeitpunkt war es billiger, einen Kohleofen zu füllen, als den Mund eines Sklaven. Wir sind mitten in einer Umwälzung, die bei weitem die industrielle Revolution übertrifft. Durch die ersten Mechanisierungsschübe verloren Millionen von Menschen ihre Arbeit und wanderten vom Land in die Städte, um dort mit den Maschinen zusammen zu arbeiten. Aber die Computer und Informationstechnik von heute machen immer mehr Menschen ganz überflüssig. Selbst die billigste menschliche Arbeitskraft ist teurer als eine Maschine.
Seit über einem Jahr beobachte ich die Aktienmärkte. Wenn da eine Meldung kommt, dass Entlassungen bevorstehen, um dadurch Einsparungen vorzunehmen und Gewinne zu steigern... prompt steigen die Kurse des Unternehmens. Die kapitalistische Logik sagt, dass technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität alte Jobs vernichten. Wenn man nun meint, dass dadurch wieder Arbeit entsteht, weil die Technologie gepflegt werden muss, dann frage ich, wie viel Arbeitsplätze geschaffen werden.
Kein Politiker will das seinen Wählern erzählen. Es ist einfacher, die Europäische Union als Sündenbock zu missbrauchen oder den Wählern zu erklären, dass die bösen Unternehmer die Stellen ins billigere Ausland verlagern. Die Zahl der Jobs, die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert werden, ist verschwindend gering. Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon wird man von den Politikern nichts hören. Maschinen machen sich eben schlechter als Chinesen oder Polen.
Dazu kommt noch das Märchen der Bildung. In den Wahlreden hört man dann immer: Wir müssen die Leute nur richtig ausbilden und schon ist das Beschäftigungsproblem gelöst. Nehmen wir mal an, man könnte tatsächlich alle fünf Millionen Arbeitslose in Deutschland so fortbilden, wie sich die Politiker das vorstellen. Was wäre denn dann? Es gäbe immer noch nicht genug Jobs.
Die Zeiten der Massenbeschäftigung sind vorbei. Wir werden nie wieder Tausende von Leuten sehen, die aus den Fabriktoren strömen. In Zukunft wird Arbeit etwas für Eliten sein. Für besondere Aufgaben wird man immer noch Top-Ärzte, Top-Anwälte oder Top-Designer brauchen. Aber Durchschnittsqualität kann ein Computer oder ein Roboter billiger liefern. Dann werden noch die Sozialabgaben als Buhmann hergenommen. Die USA sind hier das große Vorbild. Aber je härter die Sozialsysteme beschnitten werden, umso eher tauchen Probleme an anderer Stelle wieder auf: schlechtere Gesundheit, größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität.
In den USA ist die Arbeitslosenrate bestimmt niedriger, als zum Beispiel in Deutschland; dafür sitzen aber zwei Millionen in Gefängnissen – und das taucht in den Statistiken nicht auf.
In einer kapitalistischen Gesellschaft ist kein Platz für Alte, Schwache, Kranke oder gar Kinder. Sie verursachen unproduktive Arbeit, die nur kostet, aber keinen wirtschaftlichen Gewinn bringt. Und genau diese Ausgaben werden auf den Staat abgewälzt.
Bisher funktioniert Deutschland hauptsächlich so, dass die Staatseinnahmen auf der Arbeitsbesteuerung basieren. Je weniger Arbeit ich habe, umso weniger Steuereinnahmen kommen in die Kasse und umso weniger Geld kann ich für Sozialleistungen ausgeben. Die Schere zwischen Armut und Reichtum wird also immer größer.
Quellen
Jeremy Rifkin: Das Ende der Arbeit, Fischer-Verlag, 2005
Jörg Drescher: Iovialis - Geständnis eines Terroristen
